Montag, 17. Juli 2017

Rezension ~ ghetto kidz

Titel: ghetto kidz
Originaltitel: If I grow up
Autor: Morton Rhue
Seiten: 251 Seiten
Verlag: Ravensburger
Genre: Jugendbuch, Ghettoisierung




Inhalt:
Kalon wächst in einem amerikanischen Ghetto auf, das von den verschiedenen Gangs beherrscht wird. Er selbst will sich keiner Gang anschließen und sich lieber aus allem raushalten. Aber manchmal scheint die Lage aussichtslos zu sein und man wirft alle Prinzipien über Bord. 

Meine Meinung:
Morton Rhue nimmt den Leser immer mit in eine Welt, die so weit entfernt zu sein scheint, die  aber eigentlich direkt um die nächste Ecke liegt. So beschreibt er in Ghetto Kidz das Leben in einem amerikanischen Ghetto. 

Zu Beginn der Geschichte ist Kalon gerade 12 Jahre alt, am Ende ist er 17. Für Kalon ist es Alltag sich auf den Boden zu werfen, wenn er Schüsse hört und Leichen hat er auch schon einige gesehen. Seine Mutter wurde auf offener Straße erschossen. Sein Leben ist hart und dennoch hält er an dem Grundsatz fest in keine Gang eintreten zu wollen. Als Leser wünscht man ihm einen Ausweg, eine Fluchtmöglichkeit aus diesem Teil der Stadt, denn eigentlich ist er ganz nett und ziemlich gut in der Schule. Aber ich konnte die ganze Zeit keinen richtigen Zugang zu ihm finden. Ich hätte ihm diesen Ausweg gewünscht, weil kein Kind so aufwachsen sollt wie Kalon, aber nicht um seiner selbst willen. Er war mir einfach nicht nah und erst ganz am Ende tat er mir leid. 

Die Handlung hat mir gut gefallen. Die Brutalität des Ghettos, die Verzweiflung, diese Machtlosigkeit kommt sehr gut rüber. Man merkt sehr schnell, dass das Ghetto nach einem eigenständigen System funktioniert und mit der Welt da draußen nichts gemeinsam hat. Wenn man einmal in dem Kreislauf drin ist, einmal dort landet, dann kommt nur schwer wieder raus. 

Ich schätze an dem Autor sehr, dass er dem Leser auf so wenigen Seiten massenhaft Informationen bietet. Einerseits durch den Inhalt der Geschichte, aber auch durch ein umfassendes Nachwort und/oder Interview. Hier hat mir das ein bisschen gefehlt. Es gibt zwar vor jedem Abschnitt eine kurze Statistik zur Erläuterung und auch ein Nachwort ist vorhanden, aber ich empfand es als nicht so informativ wie gewohnt. Außerdem hätte ich gern etwas mehr über das Ghetto erfahren. Vor allem wo es sich genau befindet. Zuerst hatte ich immer Afrika im Kopf, aber es ist natürlich mein Fehler bei schwarzen Menschen (der Term wird im Buch verwendet, daher ich übernehme ich ihn) gleich an Afrika zu denken. Allerdings hatte ich auch das Gefühl irgendwo gelesen zu haben, dass Buch spielt in Südafrika. Jedenfalls erschien mir das Ghetto als völlig losgelöst von einem Land oder Kontinent, was ich ein bisschen Schade finde. 

Fazit:
Für mich ist es bisher leider das schwächste Buch von Morton Rhue, da ich mit Kalon nicht warm geworden bin. Dennoch ist das Buch wieder informativ und spricht ein wichtiges Thema an.
Informatives Sammelsurium:

  •  Bei dem englischen Titel weiß man anders als beim deutschen nicht sofort um was es geht, dennoch finde ich ihn mal wieder sehr treffend
  • Das englische Cover hingegen finde ich wenig gelungen, auch wenn die Szene durchaus Bezug zum Buch hat. Es ist mir allerdings farblich zu hell, da passt das tiefschwarze deutsche wesentlich besser. Das Hardcover finde ich durch die Bauklötze auch unpassend.
  • In der englischen Version heißt Kalon DeShwan!
  • Zitate

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