Donnerstag, 1. Juni 2017

Rezension ~ Ich nannte ihn Krawatte

Titel: Ich nannte ihn Krawatte
Autorin: Milena Michiko Flašar 
Seiten: 140 Seiten 
Verlag: Wagenbach 
Genre: Roman, Begegnung





Inhalt:
„Ist es Zufall oder eine Entscheidung? Auf einer Parkbank begegnen sich zwei Menschen. Der eine alt, der andere jung, zwei aus dem Rahmen Gefallene. Jeder auf seine Weise, beide radial, verweigern sie sich der Norm.  Erst einem fremden Gegenüber erzählen sie nach und nach ihr Leben und setzen zögernd wieder einen Fuß auf die Erde.“ (Quelle: Buchrückseite)

Meine Meinung:
Schon auf der ersten Seite hat mich das Buch gefangen genommen. Ich fühle mich eigentlich mit einfachen Schreibstilen wohler, weil ich immer Angst habe nicht zwischen den Zeilen lesen zu können und sprachliche Bilder nicht zu verstehen. Hier ist das gar nicht der Fall. Es ist ein besonders schöner Schreibstil, mit vielen tollen Sätzen, aber dabei ist es meist sehr gut verständlich. Einzig die fehlenden Satzzeichen um eine direkte Rede zu kennzeichnen, haben mich gestört. 

Die Handlung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Erst nach und nach lernt man die Protagonisten kennen. Erfährt Geschichten aus ihrem Leben und wie sie an den Punkt gekommen sind, an dem sie sich befinden. Auf der Parkbank, einen fremden Menschen als einzigen Gesprächspartner. 

Ich mag auch, dass die beiden Protagonisten bzw. ihre Vergangenheit, die Vergangenheit von irgendwem sein könnten. Dazu passt auch, dass man zwar die Namen der beiden Männer erfährt, diese aber weder im Gedächtnis bleiben, noch oft wiederholt werden. Man braucht sie nicht. Denn gerade in Japan, wo das Buch spielt, könnten diese beiden Männer irgendwer sein.  Viele empfinden dort den Leistungsdruck, der unter anderem in diesem Buch angesprochen wird.

Gegen Ende gibt es eine Entwicklung die ich nicht gebraucht hätte, aber das tut meinem positiven Eindruck keinen Abbruch. Dazu bleiben die vorherige Handlung, das Schicksal und die Sprache zu sehr im Kopf. 

Nach der Danksagung folgt ein Glossar, in dem sämtliche japanische Begriffe erklärt werden. Einiges hätte meiner Meinung nach keiner Erklärung bedurft, wie zum Beispiel Karaoke, aber lieber zu viel als zu wenig. Positiv anzumerken ist, dass die im Glossar genannten Wörter im Text markiert sind, sodass man nicht unnötig blättern muss. 

Fazit:
Ich empfehle das Buch allen, die einen schönen Schreibstil schätzen (ich weiß, das ist immer relativ), zitierwürdige Texte mögen und sich vielleicht mal an Romanen abseits des Mainstreams versuchen möchten. 

Informatives Sammelsurium:



Kommentare:

  1. Jaaaa, toll, die Rezension ist online, liebe Julia

    Dass dir das Buch so gut gefallen hat, freut mich sehr. Mir ging es genau gleich. Diese poetische und trotzdem eingängliche Sprache, einfach ein Kunstwerk :-)

    Alles Liebe dir
    Livia

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    1. Danke :)

      Oh ja. Definitiv ein Kunstwerk.

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  2. Hallo Julia,
    das klingt gut - ich mag poetische Sprache und Nischenbücher!
    Julia, ich bin über die Kommentarseite von Aleshanee zu deinem Blog gekommen und bleibe dir gern als Leserin erhalten.
    Liebe Grüße
    Daniela

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    1. Ich kann dir das Buch wirklich empfehlen :)
      Das freut mich sehr :) Danke für deine Kommentare.

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